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Frau Igel kehrt zurück

Hase und Igel Portraitbilder_2

Der Igel war immer noch nicht in der Lage zu sprechen. Unglaubliches war hier in den letzten Tagen geschehen. Für mich, den Hasen, auch einmal eine Geschichte, die ich erzählen darf.
Erinnert Ihr Euch, wie mich der Igel im Märchen ausgetrickste? Richtig – er hatte mit seiner Frau ein gemeinsames, böses Spiel getrieben. Damals war ich ziemlich sauer, doch heute sind Igel und ich beste Freunde. Wie sich die Zeiten ändern…
Wie Ihr bereits wisst, dürfen wir am Abend vor dem Schlafen gehen noch bei unseren Mitbewohnern auf dem Sofa sitzen. Die beiden arbeiten dann meistens vor dem Fernseher, den sie Monitor nennen und klopfen mit ihren Fingern auf das Buchstaben-Gewirr-Brett. Auf dem Tisch liegt auch noch ein kleines Ding, welches sie Maus nennen. Unter uns – es sieht nicht aus wie eine Maus, denn die kennen wir ja schließlich noch von den Streifzügen durch die Heide und von den Feldern. Ach, die Menschen und ihre Begriffe! Wir werden uns bemühen, alles zu verstehen und euch dann alles zu erklären.

Jedenfalls schreiben die Beiden oft unsere Erlebnisse auf, sortieren Bilder und zeigen sie euch, beantworten Fragen oder schauen nach Neuigkeiten in ihren Laptops.

Hase und Igel Portraitbilder_1Vor einigen Tagen sahen wir dabei auf ihren Monitoren eine Seite mit unseres Gleichen. Hunderte von uns wurden dort zur Schau gestellt. Ob sie das alle freiwillig taten, blieb uns verborgen. Wir konnten sie nicht fragen, es waren ja nur Bilder, solche, wie auch unsere Mitbewohnerin von uns machte, wenn wir unterwegs waren, Abenteuer erlebten oder Blödsinn trieben.
Plötzlich fing der Igel an laut zu schreien: „Meine Frau! Meine Frau!“. Das Geschrei war so laut, dass ich erst flüchten wollte. Igel fiel zeitgleich von der Sofalehne auf den Schoß unserer Mitbewohnerin und flehte sie mit Tränen in den Augen an: „ Meine Frau! Rette sie! Bring sie zu mir zurück!“ So hatte ich Igel noch nie gesehen. Sonst war er immer ruhig und gelassen; nein, das kannte ich nicht von ihm. Jedenfalls guckte unsere Mitbewohnerin den Igel mit sooo großen Augen an, dass ich zunächst dachte, sie würden aus ihr raus fallen. Auch unser Mitbewohner wusste zunächst nicht, worum es ging. Beide schauten den Igel an, schauten auf den Monitor, schauten sich an - dann ein kurzes, kaum sichtbares Nicken und irgendetwas war geschehen.
Frau Igel kehrt zurück_8Sie nahm die Maus, schob einen Zeiger auf dem Monitor hin und her. Einige Male machte es „klick“ und ihre Finger prasselten auf das Buchstaben-Gewirr-Brett. „Sie ist befreit!“ sagte sie zum Igel, was ihn noch einmal in Tränen ausbrechen ließ. Unsere Mitbewohnerin nahm ihn in den Arm und tröstete ihn: „In ein paar Tagen ist sie wieder bei Dir.“, erklärte sie. Ein Postbote würde kommen und sie bringen. Postboten kannten wir bereits. Sie klingelten schon öfter hier an der Tür und brachten tolle Sachen.
Ab dem nächsten Morgen saß Igel nun an der Tür und wartete. Er war dort durch nichts fort zu bewegen. Auch am Abend wollte er nicht zu uns aufs Sofa, sondern blieb an der Tür sitzen. Erst als unsere Mitbewohner ihm erklärten, dass der Postbote nur kommt so lange es hell ist, kam er zu uns. Ich hielt ihn fest im Arm. Das Warten war nicht leicht für ihn. So ging es drei Tage und wir alle machten uns Sorgen um unseren stacheligen Freund. Kein Postbote kam.
Dann, nach dem dritten Tage, war es doch soweit. Eine Stimme rief an der Tür, an der der Igel saß. Es war die Susi hier aus dem Haus, die von oben. Sie lächelte uns schon immer so nett an. Susi hatte den Postboten getroffen und ein Päckchen für unsere Mitbewohner entgegen genommen.
Frau Igel kehrt zurück_7Igel war nun ganz still, zitterte und hatte wieder Tränen in den Äuglein. Der kleine bunte Karton wurde geöffnet und Frau Igel schaute uns mit strahlenden Augen an. Igel und mir verschlug es den Atem, so schön war sie – also für eine Frau Igel. Ganz langsam schritt mein Freund auf sie zu, nahm sie in den Arm und wollte sie, glaube ich, gar nicht wieder loslassen. Dann kniete er vor ihr nieder, stammelte mit zittriger Stimme: „170 Jahre und ich habe Dich wieder. Als Begrüßung bekommst du mein Halstuch und wir bleiben nun für immer zusammen!“. Unsere Mitbewohner und ich verfolgten andächtig diese Szenen – es war zu schön - ergreifend. Glaubt mir, es war wirklich etwas ganz Besonderes.

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Etwas anstrengend wurde es, als unsere Mitbewohnerin die Kamera holte. Das ständige ‚piep - klick, piep – klick, piep - klick‘ der Kamera störte doch etwas diesen besonderen Moment. Aber ihr kennt das ja schon, das muss immer sein, ansonsten würdet ihr nicht an unseren Erlebnissen teilnehmen können.
Plötzlich traf mich der Gedanke wie ein Schlag. Vor 170 Jahren haben die beiden mich aufs Kreuz gelegt und waren sich ihrer Schlauheit bewusst. Was stand mir nun bevor, jetzt, wenn die beiden wieder vereint sind? Die Zukunft würde es zeigen. Hase und ich waren in den Jahren beste Freunde geworden und gingen zusammen durch die Welt. Und Frau Igel? Sie ist ja auch ganz lieb und nett. Und ich war mir sicher, wir würden zusammen bestimmt noch viele tolle Geschichten erleben können.
Erst einmal genossen wir diesen Abend und wir alle hatten uns sehr viel zu erzählen, vor allem die alte gute Geschichte von "Dat Wettlopen twischen den Haasen un den Swinegel up de lütje Haide bi Buxtehude„ und dem „Ick bün all hier!“

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