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Einmal Texas und zurück

Unser Abenteuer in New Braunfels

Englische Version verfügbar - English version available

Wer klopft denn da?

„Schaut mal Jungs – wisst ihr was eine „New Braunfels German American Heritage“ ist?“, fragte meine Frau eines Abends. „Was soll das sein?“, erwiderte Hase und wir gesellten uns zu ihr auf das Sofa. So schauten wir mit Fragezeichen in den Augen auf den Laptop und wurden doch nicht schlau daraus. Also schrieben wir eine E-Mail in die USA.

Sie haben Post!

„Sie haben Post!“, klang es eines Abends aus den Lautsprechern des Laptops. John aus New Braunfels hatte uns geschrieben. Er war vor einiger Zeit in Deutschland und hatte dabei auch unsere Hansestadt Buxtehude besucht. Begeistert berichtete er von seiner Reise und seiner Heimat Texas in Amerika.

„Wir sollten John einmal besuchen, sein Land mit eigenen Augen sehen!“, sprudelte es aus Hases Mund. „Seit unserem Indonesienabenteuer kennen wir uns mit weiten Reisen doch aus. Was meinst du Igel?“. Bevor ich antworten konnte, ergänzte meine Frau entschlossen: „Dieses Mal aber nicht ohne mich!“ Wir mussten lachen.

Unser Advokat antwortete auf Johns Mail. Er endete mit der Frage: „Dürfen wir Dich auch einmal besuchen?“
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Es war ein Abend Anfang Dezember. Unsere Mitbewohner saßen gemütlich auf dem Sofa und klimperten auf den Buchstabengewirrbrettern ihrer Computer, als sich Hase vor traute.  „Ähmm“, es klimperte weiter. „ÄHMM – Wir fahren nach Amerika!“ Schlagartig war es still in unserer Behausung.
Wir liebten diese Tage an denen nicht wir, sondern unsere Mitbewohner Fragezeichen in den Augen hatten. Hase berichtete ihnen über die Ereignisse der letzten Tage, über John, Auswanderungen, die USA und New Braunfels.

Die Großen entschieden schnell. Ja, wir durften nach Amerika! Da aber eine Flugreise für uns allein noch zu gefährlich sei, wurde am nächsten Tag ein Wohlfühlkarton vorbereitet. Genauer gesagt waren es zwei, einer für die Gastgeschenke und einer für uns Buxtehuder Schlingel®. Unsere Mitbewohnerin dachte laut vor sich hin: “Tradition – Weihnachten – Gastgeschenke …“.

Welche Traditionen werden dort gepflegt? Was ist dort anders? Sprechen sie dort Deutsch oder muss ich Hase's gelbes Büchlein in die Hände nehmen? Das wird sicher sehr spannend. Mit diesen Gedanken begann unser Abenteuer am nächsten Tag auf dem Postamt in unserer Hansestadt Buxtehude.

Wir waren schon weit gereist zu unserem neuen Abenteuer. Eine Reise über das große Wasser, den Atlantik, mit dem Flugzeug und weiter mit Autos hatten wir schon hinter uns. Wir drei waren ungefähr genau solange unterwegs, wie damals bei unserem Abenteuer in Indonesien.
1583732196_n... Ein dumpfes „Ding Dong“ drang in unseren Wohlfühlkarton. „Two packages from Germany for you!“ – „Thank you, we are waiting for it.“ War das die Stimme von John? „Cindy! Our visitors from Germany have arrived.“  Nun waren wir uns sicher. Das Ziel unserer Reise hatten wir erreicht. Hier wurde also kein Deutsch gesprochen. Das war für Hase und mich seit unserem Abenteuer in Indonesien kein Problem mehr und meine Frau würde sicher auch alles sehr schnell verstehen.

Nachdem unser Wohlfühlkarton geöffnet wurde, brauchten unsere Äuglein ein wenig Zeit sich wieder an das Licht zu gewöhnen. Wir sahen in die strahlenden Gesichter unserer Gastgeber. Was für eine liebe Begrüßung! Cindy und John nahmen uns sofort auf den Arm.

Neugierig und freudig packten dann die Beiden die Gastgeschenke aus. Einiges kannten sie bereits, bei anderem schauten sie uns fragend an. Unsere Mitbewohner hatten typische Weihnachtssachen eingepackt. Christstollen, Lebkuchenherzen, ein Hase- und Igel- Buch, einen Buxbüdel und, und, und…
Wir kamen schnell ins Gespräch. John berichtete uns über das Wurstfest, den „Edelweiß- Kinderchor“, die Sophienburg, den Christkindlmarkt und vieles andere. Ihr denkt nun sicher, dass dieses alles deutsche Wörter sind. Und ihr habt recht! Diese Bezeichnungen wurden als Tradition über viele Jahre bewahrt. Warum, fragt ihr Euch? Uns wurde versprochen, dass wir vieles erfahren und sehen würden, welches seine Wurzeln in der deutschen Herkunft hatte. Wir waren gespannt und planten die Abenteuer der nächsten Tage.

IMG_5701Am nächsten Morgen ging es los. Ich trat vor die Tür und war verwundert. Ich wusste zunächst nicht warum. Irgendetwas war hier anders als zu Hause. Vor dem Haus stand ein Hirsch mit seiner Familie und labte sich am frischen Gras. Eine Hirschfamilie im Garten? Da fiel es mir auf - hier gab es nirgendwo Zäune. Die Tiere konnten sich frei bewegen.

Kurze Zeit später fuhren in den Landa Park. Dort sah es aus sah es aus wie auf einem Golfplatz - Hügel und kurzgeschnittenes feines Gras. „Wir können aber kein Golf spielen. Was wollen Cindy und John uns denn zeigen?“, grübelte ich.
IMG_5662IMG_5480Bald wussten wir es. Hier könnten wir den ganzen Tag toben, essen, spielen und fast 100 verschiedene Baumarten erraten. Wir sahen den Comal River, der durch den Park floss. „Über das Jahr gibt es hier viele Feste, die an Deutschland erinnern, zum Beispiel das Wasser- oder Wurstfest. Auch Konzerte und das Feuerwerk zum 4. Juli, dem Nationalfeiertag, sind feste Programmpunkte im Jahreslauf.“, erklärte John. Hase kratzte sich an den Ohren, was ihn zweifelnd aussehen ließ. „Wurstfest?“ murmelte er undeutlich vor sich hin. „Was soll das wieder sein?! Sogar in Texas reden die Menschen so unverständlich wie bei uns.“ Meine Frau war begeistert, sah sie doch nun auch die freilaufenden Rehe und Hirsche, die friedlich im Park grasten und spielten. Wir setzten uns zusammen ins Grün und beobachteten das Treiben.

Nach einer Weile berichtete John weiter, als hätte er meine Gedanken gelesen: „Nein, wir wollen kein Golf spielen, ich möchte euch etwas zeigen. Und wenn ihr die Geschichte dazu erfahrt, werdet ihr vieles verstehen!“
IMG_5483Er führte uns zu einem Denkmal. Auf dem Ehrenmal sahen wir einen Mann mit einer Frau und einem Kind. Auf einer Tafel stand geschrieben: „This monument is dedicated to the memory of the German Pioneers who helped convert a wilderness into the great state of Texas.“  Für Euch übersetzt, bedeutet es: Dieses Denkmal ist dem Andenken der deutschen Pioniere gewidmet, die dazu beigetragen haben, eine Wildnis in den großen Staat Texas zu verwandeln.  Cindy erklärte, dass die ersten deutschen Menschen hier Pioniere genannt wurden, ein völlig unbebautes Land vorfanden und aus dem Nichts begannen, ihre Siedlungen zu bauen.
Hase, unser Advokat, war schon wieder nachdenklich geworden. Er setzte sich auf einen Baumstamm und schwieg. Ich erklomm derweil einen Baum und schaute gedankenversunken in die Ferne.

Wie war das?

IMG_5506Cindy und John´s Ausführungen waren sehr interessant und wir hörten gern zu. Sie berichteten: Es war vor langer Zeit. Wir schrieben das Jahr 1845. Zu dieser Zeit sammelten die Gebrüder Grimm noch ihre Geschichten und die Deutsche Märchenstraße gab es auch noch nicht.
Viele von Euren Ur-Ur-Ur-Omas und Ur-Ur-Ur-Opas, Tanten und Onkel machten sich in dieser Zeit von Hamburg, Bremen und anderen Häfen auf den Weg in die 'Neue Welt'. Dort angekommen, suchten sie sich freies, unbewohntes, wildes Land. Sie liefen weit, sehr weit und siedelten sich zum Beispiel in Texas an, gründeten neue Orte, pflegten ihre Traditionen, ihre Sprache und das Handwerk, welches sie mitgebracht hatten.
Nun war hier ihre neue Heimat und so entstand auch der Ort New Braunfels in Texas. Genau am 21.März 1845 gründete Prince Carl von Solms-Braunfels aus dem Ort Braunfels, im heutigen deutschen Bundesland Hessen, diese Siedlung. Die Nachfahren dieser Bewohner leben heute noch dort und John ist ein Ur-Ur-Urenkel dieser Menschen.

Doch warum und wie kamen Menschen aus Deutschland in die USA, in die neue Welt?
In dieser lang zurückliegenden Zeit zogen immer mehr Menschen in die Städte, da sie dort arbeiten wollten. Sie erhofften sich eine Zukunft mit einem besseren Einkommen, als sie es auf dem Land erlangen konnten. Das klappte zunächst sehr gut, doch es wurden immer mehr und mehr Menschen. Schließlich waren es so viele, dass nicht mehr alle Arbeit fanden und Hunger litten.
Sie hörten von einem fernen Land, mit Platz für alle – Amerika. Zunächst machten sich einige mutige Familien auf den Weg in ein neues Leben. Mit der Zeit wurde die Auswanderung wie eine Reise ohne Wiederkehr angeboten, eine Reise in eine neue Zukunft. Es muss eine schwere Zeit gewesen sein, doch ihr Zusammenhalt gab ihnen die Kraft um durchzuhalten.

IMG_5489Eine andere Tafel mit dem Titel ‚It all began here‘ gab den Hinweis darauf, dass Musik und der Gesang die Gemeinschaft stärkten. Eine weitere Tradition, die bis heute gepflegt wird. Aber unser Tag mit den Beiden war natürlich noch nicht zu Ende, denn den Ort, in dem sie leben, wollten wir genauer kennenlernen. Die Zeit zusammen mit unseren neuen Freunden verrann schnell und es war schon später Nachmittag. „Lasst uns noch die Stadt erkunden!“ sagte meine Frau voller Übermut zu mir. „Im Park war es so erholsam. Meine Beinchen schmerzen nicht und müde bin ich auch noch nicht!“ Ich war natürlich damit einverstanden New Braunfels auszukundschaften. Wie heißt es so schön in Buxtehude? ‚Gesagt, getan.‘

Wir erkunden die Stadt New Braunfels

IMG_5552Cindy und John brachten uns als erstes zur ‚Main Plaza‘, wir würden bei uns Marktplatz sagen. Es war der Ort, auf dem sich die Menschen treffen können, um zu reden oder Musik zu machen. Plötzlich rief das Langohr ganz erfreut: „Da sind Hänsel und Gretel auf dem Zaun! Schaut, ich sage die Wahrheit!“ „Ja, mein Freund“, antwortete ich, „Du hast recht. Hier ist ein Kindergarten und der Name geht ebenfalls auf die deutsche Tradition zurück. Aber in der englischen Sprache gibt es kein ‚Ä‘ und so steht dort Hansel und Gretel.“ Hase freute sich so sehr über seine Entdeckung, dass er Luftsprünge machte, so wie die beiden Figuren am Bretterzaun.  
IMG_5571IMG_5580Langsam beruhigte er sich wieder und wir schauten uns auf dem Hauptplatz um. Es leuchteten viele Weihnachtslichter an den Bäumen und auch ein Tannenbaum strahlte in den Himmel. „Hach ist das schön hier.“ sagte meine Frau und lief zu einem Pavillon. Auch dieser strahlte im güldenen Licht. 
„Und dort gibt es ein Schloss! Da müssen wir auch noch hin!“ rief sie mir zu. Aber schnell verbesserte Cindy meine Worte. „Nein, es ist kein Schloss, das ist das Landgericht. Dort müssen die Buben hin, wenn sie böse waren!“ Ich dachte gleich an Hase. Aber seit wir in Texas angekommen waren, hatte er sich zum Glück immer vorbildlich benommen. Ich freute mich insgeheim darüber und lächelte bis in meine Stacheln.
IMG_5511Dann sahen wir Prinz Carl - ihr erinnert euch, es war der Mann, welcher den Ort New Braunfels gegründet hatte. Er thronte auf seinem Denkmal. Dieses war angestrahlt, so dass er bis in den Abendhimmel hinein leuchtete. Wir sammelten die ganzen Eindrücke in unseren Köpfchen, damit wir zu Hause davon berichten könnten. Dazu machten Cindy und John auch gern klick-klick mit ihrer Kamera, so, wie wir es von unserer Mitbewohnerin kannten. Ob sie uns schon vermisste?
Die Stunden vergingen. Es war nun finster und so ging unser 1. Tag in Amerika, weit weg von Buxtehude, zu Ende.

Die Nacht verging schnell und Cindy und John wollten uns noch mehr von ihrer Heimat zeigen.

Die Sophienburg war der erste Halt an diesem Tage. Es war keine Burg, sondern ein Museum und Archiv, also der Ort, wo die Dinge von den Ur-Uromas und Opas aufgehoben wurden. Das Haus war nach Prinzessin Sophie, die später mit Prinz Carl verheiratet war, benannt. Das Museum erzählte von der Geschichte der deutschen Einwanderer, so wie unser Hase- und Igel-Museum zu Hause in unseren Gassen. Die Sammlungen umfassten Fotos, Zeitungen, historische, mündlich- und schriftliche überlieferte Regierungs- und Kirchenaufzeichnungen, sowie Informationen über die Menschen.

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IMG_5429Es war sehr spannend zu sehen, was die Leute damals alles aus Deutschland mitgenommen hatten und bis heute aufbewahrten. Wir bestaunten sogar die Märchenfiguren von Rotkäppchen und dem Wolf und Bilder der 7 Geißlein.
Durch einen Zauberspiegel konnten wir in der New Braunfels Zeitung lesen, die vor vielen, vielen Jahren über einen Weihnachtsmarkt berichtete.

So interessant wir es im Museum fanden, wir wollten noch mehr, viel mehr erleben. So fuhren wir in John’s Auto in Richtung San Antonio. Natürlich durften wir auf unserem Lieblingsplatz, hinten am Fenster, von dem wir alles sehen konnten. Auf der kurzen Fahrt sahen wir mancherlei, was uns an Hamburg erinnerte: die große Autobahn, Behausungen und Wirtshäuser, große Einkaufsläden und wirklich viele Schilder, die zu Parkanlagen führten. San Antonio ist eine grüne Stadt mit vielen Erholungsmöglichkeiten.

IMG_5600Bald waren wir mitten in der schönen Altstadt im Stadteil Alamo angekommen. Alamo war vor 300 Jahren eine Missionsstation. Die Siedlung, die schon von weitem an den Pappeln erkannt werden konnte, wurde nach álamo - spanisch die ‚Pappel‘ benannt. Aus Alamo wurde später die Mission San Antonio de Valero, aus der die große Stadt San Antonio entstand. IMG_5613In der Nachbarschaft erkundeten wir auch schöne Gassen mit alten Häusern und sahen den hohen Aussichtsturm von La Villita. Stellt euch vor, mit seinen 230 Metern Höhe war er bis 1996 der höchste Turm in den USA. Leider konnten wir da nicht hinauffahren, denn es wurde schon wieder spät.
IMG_5672Der schöne Tag ging zu Ende und so fuhr uns John, an New Berlin , zurück nach New Braunfels. Als wir durch Seguin fuhren, wollte er uns noch etwas zeigen. John erzählte uns von einer Legende. Dort behauptete eine Nuss, die weltgrößte Pekannuss zu sein. Wir dachten, das kann nicht sein, aber seht selbst! Nicht mal mit unserer Räuberleiter kamen wir auf diese große Nuss hinauf, die wohl 500 Kilo wog.

Wieder im Auto schliefen wir glücklich und zufrieden ein und merkten nicht einmal, dass die beiden Großen uns ins Bettchen getragen hatten.

 

Weihnachten bei Freunden

Am nächsten Morgen waren wir beizeiten ausgeschlafen. Es war der Heilige Abend. Natürlich machten wir nach dem leckeren Frühstück, welches uns Cindy bereitet hatte, noch zu einem kleinen Bummel durch die Gassen von New Braunfels auf. Auf unserem Weg lag eine Bäckerei. Diese gehörte Uwe und wir wurden auf Deutsch begrüßt. Uwe hatte früher in Deutschland gewohnt und war erst vor ein paar Jahren nach Texas gekommen, ein Auswanderer der neuen Zeit. Er freute sich Neuigkeiten aus seiner ehemaligen Heimat zu erfahren. Meine Frau und ich unterhielten uns einige Zeit mit ihm, während sich Hase umschaute.

Es dauerte gar nicht lange, bis er wie ein Blitz angeschossen kam. Stocksteif stand er mit hocherhobenen Ohren vor uns und zeigte in eine Ecke der Bäckerei. „Der Weihnachtsmann ist hier!“ sprach er mit einem ehrfürchtigen und aufgeregten Unterton. „Der Weihnachtsmann heißt hierzulande Santa Claus.“, sagte Uwe. „Geht ruhig mal rüber zu ihm und seiner Frau - Misses Claus.“

IMG_5549Natürlich folgten wir Uwes Rat und setzten uns zu ihnen. „Wie seid ihr zu diesen Namen gekommen?“, wollte meine Frau wissen. Santa berichtete, dass dieses auf einer europäischen Tradition beruhte, dem Sankt-Nikolaus-Brauch. Seit dem Gedicht ‚The Night before Christmas‘ aus dem Jahre 1823 glaubten die Menschen, dass der Nikolaus einen Schlitten habe, mit dem er die Geschenke verteilen würde. So wurde Santa Claus berühmt.

„Doch unter uns“, flüsterte er plötzlich, „So richtig prominent wurde ich erst im Jahre 1931, als eine Getränkefirma die alte Geschichte zum Vorbild nahm und Bilder von mir veröffentlichte - mit rotem Mantel, Mütze und weißem Schmusebart.“
Während wir uns unterhielten hatten sich bereits einige Kinder versammelt, die auch zu Santa wollten. So verabschiedeten wir uns von den beiden lieben Gestalten, wünschten ein Frohes Fest und gingen zurück zu Cindy, die schon auf uns wartete. Sie hatte Weihnachtsgebäck gekauft und John stand vor der Tür und beobachtete das Treiben auf der Straße.

IMG_5543Auf dem Heimweg stoppten wir noch kurz bei Freunden. Wir wurden herzlich begrüßt, so, wie es einem Besuch aus Old Germany gebührte. Während die Großen einen Kaffee tranken und über das zurückliegende Wurstfest sprachen, hatten wir es uns derweil im Schlitten bequem gemacht. Von dort aus bestaunten wir ihren Weihnachtsbaum und die Dekoration in der Wohnstube. Alles war ganz festlich geschmückt, wie bei uns zu Hause.

Wurstfest„Wurstfest?“, fragte Hase. „Was ist das? John hatte das Wort schon einmal im Landa Park erwähnt.“ Die Großen schauten uns erstaunt an. Offensichtlich konnten sie sich nicht vorstellen, dass wir es nicht kannten. Das Wurstfest sei das größte deutsche Volksfest in Amerika. Die Aussiedler feiern es seit den ersten Tagen, in Anlehnung an die deutsche Oktoberfesttradition. „Und wie kommt es zum Namen Wurstfest?“, fragte Hase nach. John erklärte: „Das Oktoberfest beginnt mit dem Anstich des ersten Bierfasses. Hier beim Wurstfest stellen sich einige Menschen auf die Bühne und beißen gemeinsam in eine lange Wurstschlange.“ Wir schauten uns ungläubig an, doch andere Länder andere Sitten, zumal alles dem Oktoberfest sehr ähnlich war.


Irgendwann brachen wir wieder auf und schlenderten weiter durch die Gassen. Auch hier waren die Häuser mit vielen Lichtern geschmückt und in den Vorgärten standen Weihnachtsmänner, Rentierschlitten und so manch anderen Gestalten, wie Schneemänner, Rehe und natürlich auch leuchtende Weihnachtsbäume.
IMG_5927Dann waren wir zurück im Haus unser Gasteltern und bewunderten ihren Baum. „Ein echt scharfes Teil.“, entsprang es Hase. Wir Igel schauten uns an. „Da, seht ihr es nicht? Dort hängen jede Menge Chilis im Baum.“ Wir konnten uns kaum halten vor Lachen. So etwas hatten wir noch nie gesehen! „Chili kenne ich nur vom Kochen“, sagte meine Frau und schüttelte staunend ihre Stacheln. „Dem müssen wir auf den Grund gehen“, fügte sie noch hinzu.
Cindy hatte von unserer Unterhaltung nichts mitbekommen. Sie sagte: „Nun müsst ihr Euch schick anziehen, denn wir gehen gleich in die Kirche.“
Unsere schöne Festtagskleidung hatte unsere Mitbewohnerin mitgeschickt. So zogen wir uns schnell um und machten uns ausgehfein. Cindy und John waren begeistert. Auch sie hatten sich schick gemacht und so konnten wir gemeinsam in die Kirche gehen.
IMG_5558IMG_5919Die Kirche war voller Menschen, so, wie wir es bei uns auch erlebt hatten. Es war eine feierliche Stunde mit Reden und schönen Liedern, auch solchen, die wir kannten und mitsingen konnten. Dazu lachten unzählige Kerzen und die Stimmung war sehr andächtig und festlich.

Geschwind verging der Gottesdienst und wir liefen nach Hause. Hase freute sich schon sehr auf seine Geschenke und war übermütig, er hüpfte durch die Straßen und sang die Lieder aus der Kirche. „Endlich Bescherung… Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…“.

Endlich Bescherung

IMG_5563Doch was war das? Unter dem Christmas Tree, dem geschmückten Christbaum, lagen keine Geschenke, nicht einmal ein Stück Kohle! Hase war enttäuscht, traurig und machte sich Sorgen. „Ist dem Weihnachtsmann etwas passiert? Oder kommt er hier nicht, weil kein Schnee für den Schlitten da ist oder ist er gar im Schornstein steckengeblieben?“ John klärte auf: „In Amerika und somit auch in Texas kommt der Santa Claus erst in der Nacht durch die Esse. Milch und Plätzchen stehen dann für ihn zum Laben bereit. Und erst am Weihnachtmorgen können die Geschenke ausgepackt werden. Also heißt es für euch, warten und noch eine Nacht schlafen.“
An Schlafen war bei Hase und uns nicht wirklich zu denken. Wir waren sooo gespannt.
Damit die Zeit schneller verging, setzten wir uns in die gemütlich eingerichtete Küche vor den Laptop und skypten mit unseren Mitbewohnern. Dank der Zeitverschiebung war es in Buxtehude bereits der frühe Weihnachtsmorgen, während in Texas tiefe Nacht herrschte.

Die Dunkelheit verging. Hach, waren wir aufgeregt. Und tatsächlich! Am Morgen lagen bunt glitzernde Päckchen unter dem Baum. „Hurra, Santa Claus war da! Ihm muss es also gut gehen und er ist nicht im Schornstein steckengeblieben. Hurra, hurra, hurra!“ rief Hase noch im Schlafanzug. „Zieht euch schnell an, unsere Geschenke warten auf uns!“  Das taten wir und mit einem „Merry Christmas!“ begrüßten uns Cindy und John am Weihnachtsbaum.
Jeder von uns bekam ein großes dieser glänzenden Packerl. “Was da nur drinnen ist?“ fragte Hase, schüttelte seines und horchte daran. Aber er konnte es nicht erraten. Wie auch. Es gibt hunderte Dinge, über dir man sich freuen könnte. So sagte meine Frau: „Bei drei geht’s los, dann wickeln wir die Geschenke von Santa Claus aus. Ob die Weihnachtselfen uns auch was Schönes eingepackt haben?  Eeeins! Zweei! Drei!“ Cindy und John schauten uns strahlend zu.
IMG_6074IMG_5979Jeder von uns hatte echte texanische Hüte bekommen. Hase und ich einen Cowboyhut und meine Frau einen sommerlichen Hut mit süßen rosa Blümchen. Halt! Da waren noch andere! Diese hatten wir schon einmal im Fernseher gesehen. Es waren glitzernde Partyhüte. Jeder bekam einen in einer anderen Farbe. Wir setzten auch diese auf unsere Köpfchen, stellten uns dann gemeinsam vor den Spiegel und bewunderten abwechselnd unsere Geschenke. Wir fanden sie ganz toll!
Cindy und John freuten sich mit uns. John sagte: „We have another surprise for you! You are allowed to stay with us until New Year's Eve!”  Was so viel heißt, wie: „Wir haben noch eine Überraschung für euch! Ihr dürft über Silvester bei uns bleiben!“ Wir freuten uns riesig und vor Rührung flossen meiner Frau ein paar Tränchen aus den Augen.
 

Happy New Year

Die Zeit zwischen den Feiertagen verging wie im Flug.
Silvester, der letzte Tag des Jahres, war schnell angebrochen und wir schmückten den Partyraum. Am Abend kamen viele Freunde zu uns ins Haus. Wir alle sangen, lachten, aßen und stießen um Mitternacht gemeinsam an. „Happy New Year!“ So begrüßten wir das Neue Jahr und unsere Partyhüte ließen uns dabei feierlich aussehen. Der Abend war wunderschön, aber irgendwann waren Ohren und Stacheln so müde, dass sie ins Bett mussten.
IMG_6014Aber lange schlafen ging an diesem Morgen nicht, denn es gab bald ein traditionelles Mittagessen, welches zunächst zu Missverständnissen führte. Cindy sagte: „Here are the Black Eyed Peas!“

Hase sprang sofort auf und sang: „Got a feeling … it‘s got to be a good good day ….“ Cindy wäre vor Lachen fast das Tablett aus den Händen gefallen. „Es sind Bohnen Hase – Bohnen!“, erklärte John. „In Deutschland kennt ihr sie vielleicht als Schwarzaugenbohnen.“
Nein, solches Gemüse kannten wir nicht, nicht einmal meine Frau, aber sie waren sehr lecker. IMG_6007Danach servierte uns Cindy Tamales. Das waren leckere, in Maisteig eingehüllte Fleisch-, Käse- oder Gemüsespezialitäten. Für Hase hatte sie extra Möhren-Tamale vorbereitet, welche ihm sehr gut schmeckten und er lobte sie in hohen Tönen. Natürlich gab es auch Nachtisch. Was denkt ihr, was das war? Ratet mal!
Nach dem Naschen dankten wir Cindy herzlich für ihre Mühe, die sie sich am Neujahrsmorgen gemacht hatte. Alle drei umarmten wir sie und sie bekam von jedem ein Küsschen auf die Wange.

Abschied

Dann kam der Tag unserer Abreise. Wir mussten Abschied nehmen, aber wir freuten uns auch auf unsere Mitbewohner und die Märchenstadt Buxtehude. Unsere Gasteltern hatten unser Wohlfühlpaket bereits vorbereitet. Traurig und dankbar schlüpften wir hinein und der Rückweg in unsere Heimat begann!

... Ein dumpfes „Ding Dong“ drang in unseren Wohlfühlkarton. „Zwei Pakete aus den USA für Sie.“ „Schatz! Die Jungs und Frau Igel sind zurück!“, hörten wir unseren Mitbewohner sagen.

Zwei Pakete? – Ja, auch Cindy und John hatten für die Beiden einige Überraschungen zusammengestellt.

Wir waren wieder daheim, mit vielen Erlebnissen, tollen Erfahrungen und bereit für Neues. Es war sooo schön und noch heute sprechen wir gern über unser Abenteuer ‚Einmal nach New Braunfels und zurück‘.

Thank you very much Cindy and John!