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Sind wir Touristen?

Das war ein toller Tag kann ich Euch sagen, aber wir fangen mal von vorne an ...

Unsere Mitbewohner hatten uns versprochen, dass wir wieder raus in die große, weite Welt dürften. Lange mussten wir bis zu diesem Tag nicht warten.
Die Geschichte mit den ganzen Sachen, die immer mit müssen, kannten wir mittlerweile. Unter uns gesagt - dadurch zieht sich die Abfahrt stets ziemlich in die Länge, aber irgendwann geht es dann doch los.


Wir fuhren mit dem Auto in die Stadt und stellten es bei ganz vielen anderen Kisten mit Rädern ab. ‚Parkplatz‘ nennt sich das, wurde uns erklärt und ich vermutete, dass sich unser Gefährt zwischen den Anderen nicht so allein fühlte, während wir unterwegs waren.

Hase und Igel in Hamburg_1Auf einem blauen Schild stand "Bahnhof Buxtehude". Wir warfen unseren Mitbewohnern fragende Blicke entgegen, denn wir kannten solche Schilder nicht. Manchmal ist es schon peinlich, wenn man noch so wenig weiß, aber unsere Mitbewohner klärten uns ja immer ganz geduldig auf, so, wie auch an diesem Tag.
Kurz nachdem wir vor 170 Jahren verschwunden waren, hatten die Zweibeiner die Eisenbahn erfunden. Diese Bahn, eine riesengroße, damals noch schwarze, rauchende Kiste, mit vielen Rädern, konnte ganz viele Dinge oder Menschen von einem Ort zum anderen bringen; sie war noch viel mächtiger als das größte Auto, welches wir bis zu diesem Tag gesehen hatten. Und weil die Bahn so groß und schwer war, durfte sie nur auf langen Stangen aus Eisen fahren, den Schienen.
Wenn die Menschen mit der Eisenbahn fahren wollten, trafen sie sich alle auf dem Bahnhof, so wie dieser, auf dem wir standen. Die Idee mit dem Treffpunkt Bahnhof fanden wir sehr schlau, denn die Leute waren da nicht so allein, während sie warteten.

Unsere Eisenbahn, mit welcher wir fahren wollten, nannte sich S-Bahn und dampfte nicht. Sie fuhr mit Strom.
Pünktlich kam sie an unserem Bahnhof in Buxtehude an und wir stiegen ein. Hey, welch ein Spaß! Sie war genauso angemalt wie Hases Hose und mein Halstuch und die Sitze hatten die gleiche Farbe wie meine Hose und Hases Halstuch. Wir fanden, wir waren genau richtig gekleidet.
Hase und Igel in Hamburg_6Die Menschen, die wir trafen, waren durchweg fröhliche Lebewesen. Jeden den wir anschauten, hatte ein Lächeln auf den Lippen. Sehr gefreut hatte sich aber eine junge Dame, die uns in der S-Bahn gegenüber saß. Es begann ganz normal. Einmal zu uns schauen und lächeln, aus den Augenwinkeln noch einmal schauen und mehr lächeln. Hase kennt da nix, nutzte das aus und schaute dann ganz penetrant zurück. Die Dame schaute noch einmal aus den Augenwinkeln rüber, ihre Lippen pressten sich aufeinander und es kam eine gewisse Kurzatmigkeit hinzu. Je öfter sie zu uns rüber blinzelte, desto kurzatmiger wurde sie und ihr Gesicht wurde immer roter und freundlicher. Sie begann herzlich zu lachen.  Ein schöner Moment! Aber leider musste sie bald darauf aussteigen. Junge Dame - wir haben das gesehen und uns sehr gefreut!

Hase und Igel in Hamburg_2

Wir fuhren weiter, fuhren und fuhren, vorbei an Behausungen und Bäumen. Doch plötzlich wurde es draußen dunkel. Wir waren in eine Höhle gefahren. Hase und ich schauten uns an, Angst kam in uns auf. Das Licht war über uns angegangen und doch die Menschen blieben ganz ruhig. Somit konnte nichts Schlimmes passiert sein. Also - alles war gut. Es war nur ein Tunnel, der durch einen Berg führte. "An der nächsten Station müssen wir aussteigen." sagte unser Mitbewohner und wenige Minuten später standen wir schon in einer großen, hell erleuchteten langen Höhle, die an den Enden große, schwarze Löcher hatte. Und da gab es auch wieder so ein Schild, wie auf unserem Bahnhof. Hier stand aber "Stadthausbrücke" drauf.
 Nun hatte ich ja gelernt, dass sich die Menschen auf einem Bahnhof versammeln, um in die Züge ein- und auszusteigen. Hier hieß der Bahnhof nun Station und ich glaubte fest daran - die Menschen sind sich etwas uneinig in der Bezeichnung ihrer Dinge. Wir waren jedenfalls wieder einmal verwirrt...

‚Aber wie sollen wir nun aus der Höhle wieder raus kommen?‘ Ich dachte sofort an die dunklen, schwarzen Löcher am Ende der Station und noch schlimmer, an Klettern. ‚Hiiilfe, ich mit meinen kurzen, krummen Beinchen kann doch nicht klettern!‘ Mir drehten sich vor Angst die Stacheln, wie die Zeiger einer Uhr. Dem Hasen war das natürlich egal. Er sprang voraus und blieb vor einem steilem Gang der nach oben führte, stehen. Am Ende sah er ein Licht und mir schwante nichts Gutes.
Als wir diesen Gang betraten, begann sich dieser zu bewegen. Der Fels auf dem wir standen, sah verdächtig eckig aus, eben nicht wie ein richtiger Stein oder eine Felsklippe. ‚Wieder etwas Neues, anscheinend Großartiges‘, dachte ich und unsere Mitbewohnerin ließ verlauten: "Rolltreppen sind doch etwas tolles!" und freute sich.  Aha - bewegliche Felsen und Felsklippen sind Rolltreppen! …schon klar!? Warum das nun Rolltreppe und nicht Fahrtreppe hieß, hatte ich lieber nicht gefragt, denn das waren doch auch keine Rollen… Aber egal. Die Fahrt war, entgegen meinen Befürchtungen, dann doch ganz gemütlich. Wir fuhren also im Gang schräg nach oben. Dort angekommen, welch ein Wunder, war es wieder hell und wir schauten uns erst einmal um.

 

Hase und Igel in Hamburg_3

Nach wenigen Schritten kamen wir an eine breite Straße, die wir überqueren mussten. In Hamburg standen dort Bäume aus Eisen mit zwei leuchtenden Männchen. Wenn das rote Männchen leuchtete, blieben die Menschen in Ehrfurcht stehen und verloren ihr Lächeln. Leuchtete das grüne Männchen kam das Lächeln zurück und sie gingen über die Straße. Was mich dabei wunderte ist, dass bei dem leuchtenden grünen Männchen die Autos ehrfürchtig stehen blieben und die Fahrer nicht lächelten. Ich nahm mir vor, zu Hause in Buxtehude, darauf achten, ob es dort auch so ist.

Auf unserem Weg kamen wir über einen Fluss. Der Name war uns unbekannt, doch darauf schwamm ein Boot und es sprach: "Steuerbord sehen sie nun die Speicherstadt. Sie wurde erbaut..." Hase drehte seinen Kopf so schnell mit dem fragenden Blick, dass seine Ohren unserem Mitbewohner an den Kopf schlugen. Der erklärte uns, dass dieses der Zollkanal sei und auf dem Wasser fahre ein Schiff mit Touristen. Touristen seien Menschen die sich hier nicht auskennen, aber viel sehen und von der Stadt erfahren möchten. Und der da spricht ist nicht das Schiff, sondern der Kapitän. Durch ein Mikrofon und über Lautsprecher kann man ihn dann hören.

 
Sind unsere Mitbewohner nicht toll? Sie erklären Dinge mit Worten, die wir noch gar nicht kennen. Mikrofon? Lautsprecher? - schon klar - aber das mit den Touristen haben wir, glaube ich, verstanden. Sind wir nun auch Touristen? Mit dieser Frage setzten wir unseren Ausflug nach Hamburg fort und beschlossen: Ja, wir waren Touristen. 😊

Fortsetzung folgt