ACHTUNG! Diese Seite verwendet Cookies und vergleichbare Technologien.

Wenn Sie Ihre Browsereinstellungen nicht anpassen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. weitere Informationen

Ich stimme zu

Kontakt:

EMail Adressen

allg. Informationen

Presse

Webmaster

website security

Eine Burg gebaut aus Salz ...

Es ist schon etwas befremdlich, wie wir zuweilen auf Reisen ‚geschickt‘ werden. Da kommt unser Mitbewohner von der Arbeit und schon haben wir einen Auftrag – einfach so. ‚In der Vorweihnachtszeit? Da haben wir doch eh jede Menge zu tun‘, dachte ich bei mir.
„Macht Euch reisefertig!“ sagte er entschlossen „Ihr werdet die Salzburg finden, erkunden und berichten!“ Oh, sooo viele Fragezeichen hättet ihr wieder einmal in unseren Augen sehen können. Hase reagierte sofort: „Weißt Du noch Igel, hier in der Nähe gibt es die Hansestadt Lüneburg, die ist mit dem Salz ganz reich geworden!“ „Stimmt, das hast du dir gut gemerkt, Hase!“ antwortete ich. „Doch wie reich muss man sein, um eine ganze Burg aus Salz zu bauen???“ Wir wurden still, in unseren Gedanken sahen wir die Burg Hanstein, gebaut aus Salz…
„Aufwachen“ rief unsere Mitbewohnerin, „packt lieber euren Wohlfühlbeutel, damit ihr loskommt!“ Gesagt, getan. Schnell war alles zusammengetragen was wir brauchten, denn schließlich war das nicht unser erstes Abenteuer.
mfw14_061456_Seit unserem Indonesienabenteuer dürfen wir nun auch allein mit dem Bus und der Bahn fahren. So wurden wir zum Bahnhof nach Buxtehude gebracht und bekamen die Fahrkarten von unseren Mitbewohnern. „Ihr fahrt bis zur Station Hamburg-Altona, das ist noch hinter den Landungsbrücken!“ erklärten sie uns. „Dort wartet Olaf auf Euch und mit ihm werdet ihr Salzburg erkunden.“ Wir bekamen ein Bild von Olaf mit auf die Reise, damit wir ihn erkennen konnten. Der Abschied fiel schwer und unsere Herzchen klopften, wie die Räder des Zuges, als wir unseren Mitbewohnern zum Abschied winkten.Hase und Igel in Hamburg_6
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie die Menschen schauen, wenn sie zwei Märchengestalten allein in der Bahn sitzen sehen? Einige schauten uns ganz offen an, andere schielten verstohlen zu uns rüber, lächelten und schauten zur anderen Seite, nur um gleich noch einmal zu uns rüber zu sehen. Hase und ich beobachteten das Treiben der Menschen eine Weile und hatten großen Spaß dabei. Dann begann Langohr in unserem Wohlfühlbeutel zu kramen und holte einige von diesen ‚Du kennst uns nicht – jetzt kennst Du uns‘ - Karten heraus. Unsere Mitbewohner nennen sie, glaube ich, auch Visitenkarten.
Er zupfte seine Kleidung zurecht, stellte seine Ohren auf und ging auf die Menschen zu. Da er, wie Ihr wisst, früher Advokat war, kannte er sich mit dem edlen Auftreten aus. Er verbeugte sich tief vor jedem der lächelnden Menschen, sprach ihn kurz an und übergab eine von diesen Karten. Überrascht und freundlich bedankte sich jeder so höflich, wie auch Hase ihnen entgegentrat.
Die S-Bahn fuhr in die uns schon bekannte Höhle, die in Richtung Hamburg führt. „Harburg Rathaus“ sprach eine Stimme durch den Zug. Es war noch Zeit. mfw15_088079Wir schauten uns das Bild von Olaf genauer an. „Ich kenne ihn irgendwoher!“ meinte Hase und ich stimmte ihm zu - das Gesicht, die Erscheinung - doch wo hatten wir ihn schon mal gesehen? Eine junge Frau in einem leuchtend roten Mantel stieg in die Bahn ein und setzte sich uns gegenüber. Sie lächelte gar freundlich. Ihr roter Mantel erinnerte uns auch an jemanden - wir schauten noch einmal das Bild an, doch es wollte uns nicht einfallen, woher wir Olaf kannten.
„Landungsbrücken.“ Sprach die Stimme aus dem Lautsprecher. Hase sprang auf, schnappte sich den Wohlfühlbeutel und stellte sich an die Tür. „Komm Igel! Hier steigen wir doch immer aus und fahren mit den beweglichen Felsklippen nach oben, um den Hafen zu sehen!“ Ich beruhigte ihn. „Setz dich Hase! Wir sollen doch heute bis Altona fahren!“
Er setzte sich wieder, doch mit jeder Ansage aus dem runden Gitter an den Zugdecken wurde er nervöser und zappeliger. Dann endlich ertönte es: „Altona“. Wieder sprang Hase auf, dieses Mal folgte ich ihm und dann hielt die Bahn auch schon an. mfw14__045383Wir stiegen aus, schauten uns geschwind um, schauten noch einmal auf das Bild und dann sahen wir ihn – den Olaf.
Jetzt stand er vor uns. Olaf - eine mächtige Statur mit wallendem, langem, weißem Haar auf dem Kopf und im Gesicht.
Er begrüßte uns ganz herzlich. Hase flüsterte mir ins Ohr: „Der hat bestimmt den Schalk im Nacken“. Ihr kennt Hase, er wollte es direkt herausfinden. So sprang er flux auf Olafs Arme, kletterte hinauf zu den Schultern und zog blitzartig an der Wallemähne. Der Frechdachs zwinkerte mir zu, zeigte beide Daumen hoch und sprach die Worte: „Olaf – Du könntest auch ein Buxtehuder Schlingel sein!“ „Waaat?“ sagte Olaf, gefolgt von meinem langgezogenem, liebevollem „Joooo“.
Den Spruch ‚Der Schalk im Nacken‘ kennt Ihr nicht? Es bedeutet so viel wie: Jemand, der immer zu Späßen aufgelegt ist, so wie wir und vielleicht auch unser Olaf.
„Na den mol tau!“ sagte Olaf. ??? – Die berühmten drei Fragezeichen in unseren Augen tauchten auf. Wir hatten offenbar ein Hamburger Urgestein getroffen, jemanden aus der Zeit, in der man noch nicht so viel sprach. Hierzu solltet ihr Wissen: Hamburger haben die Fähigkeit mit wenigen Worten vieles zu sagen, andere Völker in Deutschland müssen hierfür ganze Bücher schreiben. Was hatte Olaf gesagt? Wir übersetzen es nur für Euch und erzählt es bitte nicht weiter, denn nicht alle Menschen müssen wissen, was Hamburger meinen, wenn sie etwas sagen.
‚Waaat‘ mit dem folgenden ‚Joooo‘ bedeutet so viel wie: ‚Ihr habt recht, aber das würde ich nie zugeben‘. War doch ganz einfach oder?
‚Na den mol tau‘ ist da schon schwieriger. Es bedeutet so viel wie: ‚Wir müssen nun leider los, Marlies abholen, Chrissy am Flughafen treffen und dann heben wir auch schon ab‘. Ihr ahnt es nun – der Hamburger braucht 4 Worte und alle wissen was gemeint ist.
Wie bitte? Ihr hättet es nicht gewusst? Dann solltet ihr dringend mal in Hamburg Urlaub machen.
Es kam, wie unser neuer Freund Olaf es angekündigt hatte. Wir fuhren kurz zu ihm nach Hause und lernten Marlies kennen. _A312719

Seine bezaubernde Frau hatte bereits alles vorbereitet, sodass wir direkt zum Flughafen weiterfahren konnten. An den großen Hallen, den Terminals, angekommen, trafen wir Chrissy. Chrissy ist die Tochter der beiden und arbeitet mit Kindern. Sie freute sich riesig, uns kennenzulernen. ‚Mit kleinen Schlingeln kennt sie sich nur zu gut aus‘, dachte sie. ‚Doch wir original Buxtehuder Schlingel sind eine Nummer für sich‘, dachten wir!
Ob Cruisecenter oder Flughafen, uns konnte nichts mehr erschrecken. Somit wussten wir auch, dass wir als nächstes zum Check-in gehen mussten. Dort bekam man seinen Boarding Pass und gab das Gepäck ab. Wir lieben mittlerweile diese Fremdwörter, mit denen Ihr Menschen euch so verständigt, denn ohne sie würde sich manches schließlich komisch anhören. Wer von euch geht denn heute noch zur Anmeldung und bekommt seine Fahrkarte oder wie in diesem Fall seine Flugkarte!?


Plötzlich spitze ich meine Ohren und war bestürzt. Ich hörte Marlies sagen: „Beim Check-in geben wir unser Gepäck auf und dann ...“ Das verstand mein Igelkopf gar nicht. Sie hatte doch bestimmt liebevoll ihre Koffer gepackt und nun sollte sie diese aufgeben? Ich beruhigte Marlies und erklärte, dass ich alles tun würde, dass sie ihre Koffer nicht zurücklassen müsse.
Inzwischen war Hase zu Chrissy geflüchtet, denn sie kannte sich ja mit Schlingeln aus. Die beiden flüsterten – kein gutes Zeichen. Olaf und Marlies flüsterten auch – ein noch schlechteres Zeichen. Ich wurde unsicher. Meine kleinen Ohren senkten sich, meine Stacheln senkten sich und ich dachte: „Da ist doch etwas im Busche und wurde traurig.“
Plötzlich sprang Hase zu mir runter. Obwohl ich ihn bei dem plötzlichen, lauten Gelächter der Großen kaum verstand erzählte er mir ganz aufgeregt: „Wir haben mal wieder ein Wort der Menschen falsch verstanden! Gepäck ‚aufgeben‘ bedeutet auch es ‚abzugeben‘, so wie wir es kennen.“ berichtete er. Jetzt lachten auch wir beide. Wieder hatten wir etwas dazu gelernt und doch, Ihr Menschen bringt uns immer wieder durcheinander. Während die Koffer auf dem beweglichen Band davon fuhren, hatten unsere Freunde ihre Tickets, also ihr Eintrittskarten für das Flugzeug, in der Hand.
_A312712„Gehen wir noch einen Kaffee trinken?“, fragte Chrissy. Ein „Waaat“ von Olaf und ein „Jooo“ von Marlies beantwortete alle Fragen. Es schien wohl eine Tradition zu sein, dass an den Terminals immer Zeit für einen Kaffee war. So saßen wir alle zusammen, während wir dem Treiben der anderen Fluggäste zusahen.
Dann mussten wir los. Zuerst ging es zu den Security - Jungs, die immer so ernst schauen und wegen derer wir uns so häufig schon versteckt hatten. Doch heute hatten wir eine Geheimwaffe dabei. Hase und ich gingen voran. Hase zeigte unseren Hansepass. „Ach Ihr seid das! Willkommen am Flughafen Hamburg!“ Der Sicherheitsmann lächelte uns an und wünschte uns viel Spaß bei unseren Abenteuern. Marlies und Chrissy folgten uns problemlos, nur Olaf musste warten. Er wurde von oben bis unten angeschaut. „Kenne ich Sie?“ fragte der finster dreinschauende Mann. Olaf, der diese Blicke schon kannte, fragte: “Waaat?“ Der junge Mann konnte offensichtlich kein hamburgisch. Er reagierte etwas ungestüm, schnappte sich Olafs Pass und hämmerte etwas auf sein Buchstabengewirrbrett ein. Nach einer Weile kam er entspannt und freundlich zurück und wünschte eine gute Reise. Ich schüttelte meine Stacheln. Was war das denn? Ich sah zurück, sah wie er seine Mütze abgenommen hatte, sich nachdenklich am Kopf kratzte und vor sich hin murmelte: „Wer ist das nur? Den kenne ich – bloß ist es schon sehr lange her …“ Die drei Großen - Olaf, Marlies und Chrissy, führten auf dem Weg zum Gate eine interessante Unterhaltung. Was wir hörten? Wir geben hier ungelogen den kompletten Wortlaut wieder: Marlies: „Waaat“, Olaf: „Ähmm“, Chrissy: „Warum?“, Olaf: „Öhmm“, Marlies: “Echt“ und Chrissy? Sie lachte laut …
Habt ihr es auch verstanden? Sicher fragt Ihr Euch jetzt, warum Hamburger so sprechen? Ganz einfach - weil sie es können und sich mit diesen wenigen Worten verstehen.
Hansepass_collUnd schon standen wir vor dem Gate, also der Brücke zum Flugzeug. Jetzt wurde es spannend, denn wir hatten keine Bordkarten, nur unseren Hansepass. Dieses Mal ließen wir die Großen vorgehen. Sie zeigten ihre Bordkarten und durften ins Flugdingens. Als wir vortraten, bemerkte das zunächst keiner. Alle schauten den Dreien hinterher. Es wurde getuschelt, doch wir verstanden es nicht. Hase hielt unseren Hansepass hoch und wir wurden einfach durchgewunken. Alles war gut. Der Security-Mann hatte den Damen und Herren offensichtlich Bescheid gegeben, dass hoher Besuch aus der Hansestadt Buxtehude an Bord kommen würde.
CIMG1984In der Maschine waren noch einige Plätze frei. Hase setzte sich ans Fenster und ich mich bei Marlies auf den Schoß. Kurz danach ging das uns schon bekannte Donnern los. Hase moderierte wie beim letzten Mal live: „Es bewegt sich, es bewegt sich schneller, es ist so schnell wie ich … Huuuuuuuui…“ Das war wieder der Zeitpunkt in dem Hase höchstes Glück erlebte und mein Magen den Boden zu verlieren schien - wir flogen.
Lange dauerte die Reise durch die Luft nicht. Hase kommentierte alles, was er draußen sah - Wolken, Städte, Berge. Marlies und ich erzählten uns Geschichten, Olaf und Chrissy schliefen. So verging die Zeit ganz schnell. Nach einer Stunde landeten wir in einer fremden Stadt und fuhren mit einem Taxi direkt ins Hotel.
20141127_151927‚Holiday Inn‘ nannte sich diese moderne und riesige Behausung. Mit einem fröhlichem „Moin!“ traten die Großen an die Rezeption. An einer Rezeption meldet man sich im Hotel an, wie Ihr ja schon wisst. Ein ebenso fröhliches „Grüß Gott!“ wurde ihnen entgegengerufen.
„Mache ich, wenn ich ihn sehe.“ antwortete Olaf. Die Gesichtszüge des netten Herren am Empfang verdunkelten sich. Da wir schon weit gereist sind, wussten wir natürlich, was geschehen war. Ich antwortete sofort: „Der Große mit der Zottelmähne ist ein ‚Hamburger Jung‘ und kennt sich mit Eurer Sprache nicht so aus. Ich werde es ihm gleich übersetzen!“ Das Gesicht des Mannes erhellte sich zu einem freundlichen Lächeln und wir bekamen unsere Zimmerschlüssel.
20141127_152944Es war ein schönes, helles, geräumiges Zimmer. Doch ich sah erst einmal nicht das Schöne, denn ich war mittlerweile sooo aufgeregt. Noch bevor ich etwas sagen konnte, sprudelte es aus Hase heraus: „Wir müssen weiter, müssen diese Salzburg finden!“ „Jooo“ sagte Olaf. „Gleich!“ meinte Marlies. „Moooooment!“ wandte Chrissy gähnend ein. 20141127_154414
Ok – wir hatten es verstanden - erst einmal ein Nickerchen, denn nach diesen Aussagen würden wohl noch Stunden vergehen, bis es losgehen konnte.
Aber wir sollten uns irren. Gerade begann mein Traum vom Salzschloss, wo sich die Edelleute aus nah und fern trafen, da zupfte Hase schon an meinen Stacheln. Schlagartig war ich wieder hellwach. „Los Igel, los! Schnell anziehen! Es geht los!“ Hase war sooo aufgewühlt! Wir legten unsere flauschigen Schals um und setzten unsere warmen roten Mützen auf.

DSC_2199Draußen war es kalt und es wurde schon langsam dunkel. „Suchen wir jetzt die Salzburg?“, fragte ich. Die drei Großen sahen sich verwundert an. Chrissy fand als Erste die passenden Worte: „Schlingel, diese Stadt heißt Salzburg, eine Burg die so genannt wird gibt es nicht.“ Ich schaute Hase an: „…a-a- aber die sollen wir doch finden, darum sind wir hier!“ Chrissy nahm uns auf den Arm, drückte uns lieb an sich und meinte: „Wir werden gemeinsam erkunden, warum diese Stadt Salzburg heißt, damit Ihr darüber berichten könnt.“ „Jetzt genießen wir aber erst einmal den Abend und beginnen morgen mit den Forschungen.“ wandte Marlies ein, gefolgt von Olaf´s: „Joooohoooo“.
So geschah es. Wir schlenderten an diesem Abend erst einmal gemütlich durch die weihnachtlich erleuchtete Stadt. Es war ein wenig wie in unserer Hansestadt Buxtehude und doch anders. DSC_2045Wo zu Hause Unseresgleichen in den Auslagen liegen oder auf der20141127_185914 Straße stehen, war es hier ein Mann mit weißen geflochtenen Haaren. Er sah aus wie ein Edelmann. Doch wer war er? Wie Hase und Igel in Buxtehude, musste er in Salzburg ein Prominenter sein, sonst würde man ihn nicht so häufig sehen! Unser einsilbiger Hamburger begann zu erklären: „Hier in Salzburg wurde 1791 der Komponist Mozart geboren. Richtig heißt er Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Das kann sich aber niemand merken. Jedenfalls hat dieser Wolfgang Amadeus Mozart, wie er bis heute genannt wird, bekannte Musik komponiert. 20141127_190001
Komponiert heißt, er hat seine ausgedachte Musik aufgeschrieben. So kann ein anderer, der Musik macht, ablesen, wie das Lied gespielt werden muss, eben, wie es dieser Herr Mozart wollte. Er war der Popstar der damaligen Zeit, wie man heute sagen würde. Die ganze Welt verehrt ihn und eben besonders seine Geburtsstadt Salzburg.“ Wie ein Blitz traf es uns, denn in unserer Hansestadt Buxtehude ist es ja genauso, wir werden nach so vielen Jahren auch noch verehrt.

20141127_165657Tief beeindruckt von den Lichtern und der Stimmung der Vorweihnachtszeit in diesem Salzburg zogen wir weiter, stoppten an dem einen oder anderen Verkaufsstand und dem einen oder anderen Glühweinstand. Was blieb, war wie üblich die Frage von Hase: „Habt Ihr auch Möhrchenglühwein?“ „Leider nicht.“ War stets die Antwort an all den kleinen Verkaufshäuschen. Die Welt war noch nicht auf exotische Gäste eingestellt, so unsere Erkenntnis. Dennoch war der Abend mit den vielen Lichtern, Düften und Bildern der Stadt sehr schön und spät abends kamen wir müde und glücklich zurück in unser Hotel. 20141127_190440
Mit vielen neuen Eindrücken schliefen wir schnell ein und träumten wieder von der Burg aus Salz.
Am nächsten Morgen standen wir zeitig am Fenster bis unsere Freunde endlich erwachten. Wir schauten über die noch dunkle Stadt Salzburg, die gar keine Salzburg hatte. Es sah sehr schön aus, wie so alle Lichter leuchteten. Die weißen Häuser, die es dort gab, strahlten dadurch wie kleine Sonnen. Die Zeit verging und die richtige Sonne am Himmel erhellte die Stadt mit ihren winterlichen Strahlen.
Während sich die Großen fertig machten, diskutierte ich mit Hase. „Unsere Mitbewohner haben aber auch immer wieder schwierige Aufgaben für uns! Ob wir das dieses Mal schaffen?“ „Diese Aufgaben zu lösen und sie all unseren Freunden zu erklären – darum sind wir doch unterwegs. Wir werden es sicher wieder gut machen.“ antwortete Herr Oberschlau. Ich fand es anstrengend und doch wussten wir, die Großen waren bei uns und würden uns bestimmt bei der Lösung helfen.

DSC_2048Nach dem Frühstück konnte unsere Forschungsreise beginnen – meinten wir. Langsam setzten wir uns in Bewegung, verließen das Hotel. Wisst ihr, Große können sooo langsam sein! Während wir durch die Gassen schlichen, unterhielten sich die Mädels und Olaf in dem uns schon bekannten Hamburger Dialekt: „Schau mal!“ – „Jooo toll.“ – „Hast Du gesehen?“ – „Klar.“ Hase spitzte stets die Ohren und auch ich fing die Worte mit meinen Stacheln ein. So lernten wir einiges. Zum Ersten waren wir Touristen und die ließen sich Zeit beim Betrachten all der Dinge, zum Zweiten gab es wirklich gar prächtige Behausungen in der fremden Stadt. 20141129_133207
Viele dieser Häuser sind sowohl von innen, als auch von außen aus schneeweißen Wänden, so weiß, als wären sie aus Salz gebaut. Hase machte stets eine Schleckprobe, immer gefolgt von einem „Bähhhhh“. Ich dachte, er hatte da schon verstanden, wie ein Hamburger Jung zu sprechen – ein Wort sagt sooo vieles…
20141129_105924In der Nähe eines Flusses, der mitten durch die Stadt floss, rannte Hase plötzlich wie ein Blitz los. Er hatte tatsächlich Salat gefunden! Diese Köpfe, die aussahen wie schöne Blumen, waren bunt wie ein Regenbogen und sehr hübsch anzusehen. Leider musste Hase sie stehenlassen und durfte sie nicht essen. Ja, so ist das - auch wir Schlingel dürfen nicht alles naschen, was es in der Natur gibt.
DSC_2038„Jungs, schaut mal!“ rief Chrissy. „Dieser Fluss ist die Salzach!“ Hase horchte auf, rannte zum Ufer und nahm eine Kostprobe. „Igel, dem Fluss fehlt Würze! Da ist kein Salz drin und Möhrchen fehlen auch!“ Er war enttäuscht. Seine langen Ohren hingen schon auf dem Boden und ich glaubte ein Tränchen im Auge zu sehen. Armer Hase!

 
20141129_11042220141129_110143Wir setzten uns gemeinsam auf eine Mauer und überlegten. Welche Tatsachen hatten wir bisher gesammelt? ‚Salzburg ist eine Stadt ohne Salzburg. Sie hat Häuser so weiß, als wären sie aus Salz gebaut, hat einen Fluss namens Salzach, aber ohne Salz darin. Wie sollen wir nur das Geheimnis lüften?‘ Wir waren ratlos. Chrissy bemerkte, dass wir verzweifelt waren und erlöste uns von unseren Gedanken: „Weiter geht’s!“ rief sie. Wir schlenderten weiter durch die Gassen und die weihnachtlich geschmückten Straßen und immer vorbei an prächtigen Behausungen. Das Laufen mit meinen kurzen Beinchen war anstrengend, musste ich zugeben - in der Buxtehuder Heide machte das Laufen im Moos mehr Spaß! Hase aber hüpfte, sprang wie immer vorn weg und musste ab und zu ermahnt werden, bei uns zu bleiben. Sein Unmut war vergessen. 20141129_11023620141129_111606Dann endlich! Pause! Auf riesigen Stühlen, die sogar für den großen Olaf zu mächtig waren und auch auf einem Schlitten machten wir es uns gemütlich. Aber irgendwann mussten wir weiter und erreichten den Dom zu Salzburg. Ein Dom ist eine große Kirche, wie die in Bardowick, wo unsere Mitbewohner geheiratet hatten. Diesen Dom schauten wir uns an. Hase machte wieder eine Schleckprobe. Das eindeutige Ergebnis: „Bähhhh!“ und ich fragte mich, ob man überhaupt Behausungen aus Salz bauen könne. Während ich so vor mich hin dachte, hatten wir den Dom schon wieder verlassen.
Ich erwachte aus meinen Gedanken, als ich an etwas Weiches stieß. Es war Hase, der wie angewurzelt auf dem Platz stehen geblieben war und nach oben schaute. Ich tat es ihm gleich und wie aus einem Munde entsprangen uns ehrfürchtig die Worte: „Die Salzburg!“

20141129_125917
Moooment! Hatte Chrissy nicht gesagt, es gebe keine Salzburg in Salzburg? Ja, das sagte sie, und doch – vor uns auf einem hohen Felsen stand eine riesige, weiße Burg. Wir waren tief beeindruckt. Unsere Freundin Marlies hatte die Verwunderung bemerkt und erklärte sofort: „Diese Burg dort oben heißt ‚Festung Hohensalzburg‘ und obwohl sie sehr hoch und salz-weiß ist, ist sie nicht aus Salz gebaut.“ 20141129_13022620141129_131246So etwas hatten wir doch geahnt, trotzdem fanden wir sie schön. „Und denkt euch, weil der Berg zur Burg so steil ist, dass ihr ihn kaum erklimmen könntet, fahren dort Züge hinauf! Diese werden an dicken Stahlseilen hochgezogen und abgelassen.“ Sicher ahnt Ihr es schon, das Abenteuer ging weiter - wir wurden tatsächlich mit einem dieser schwarz-weißen Kisten hinauf gezogen.
Oben angekommen standen wir bewundernd im Hof der gewaltigen, leuchtenden Burg. Hase verzichtete dieses Mal auf eine Schleckprobe, denn Marlies hatte ja schon erklärt, dass die Burg nicht aus Salz wäre.

20141129_131451   20141129_131505   20141129_131556

Dafür genossen wir den ausgedehnten Blick über diese herrliche, schöne Stadt.
Das bisher Erlebte war doch zu viel für unsere kleinen Köpfchen und so ordneten wir nochmals, was wir sahen. Auf der Burg Hanstein hatten wir bereits gelernt, welche Aufgabe diese Festungen und Burgen hatten. Und hier? In einem Tal in Österreich, nahe dem Fluss Salzach, auf einem Berg gelegen, war ein Ort, der gar wahrlich vor bösen Buben beschützt werden musste. Warum nur? Während wir darüber sprachen, gesellte sich ein Mann zu uns und fing zu erzählen an: „Schon seit Urzeiten, lange bevor es euch gab, wurde hier Salz gewonnen. Dieses machte die Gegend bereits für die Römer zu einem wichtigen Platz. Daher wurde dieser Ort ausgebaut und erste Behausungen entstanden, auch hier auf dem Berg. Nachdem die Römer verschwunden waren, wurde die Burg im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verändert. Das Geld hierfür stammte aus dem Salzhandel. So wurde aus der Burg eine prächtige Festung, fast wie eine Stadt - mit Kirche, Schmiede und sogar Wasserzisternen“.
Hase fragte sofort nach: „Zisternen?“ Der Herr erklärte: „Stelle Dir ein Wasserfass vor, in dem Regenwasser gesammelt wurde, du kleiner Feldhüpfer, nur viel, viel größer. So ein Riesenfass nennt man dann Zisterne. Es ist meist nicht aus Holz, sondern aus Stein. So versorgten sich die Burgbewohner mit dem lebenswichtigen Wasser.“
„Feldhüpfer???“, ereiferte sich Hase. „Phhh! Ich bin Herr Hase aus Buxtehude!“ Der nette Mann schaute gar verdutzt, bis er verstanden hatte, wer wir sind. Hase bedankte sich dennoch mit einem Verbeugung und der freundliche Mann ging weiter seiner Wege. Plötzlich bebten meine Stacheln, kribbelten und juckten, so, als würden sie etwas wie Antennen empfangen. „Ob er es gewusst hätte?“, fragte Hase. „Was gewusst, mein Lieber?“ „Na, woher der Name der Stadt Salzburg nun stammt.“ Ich hatte Hases Worte gehört, schloss meine Äugelein und träumte vor mich hin. Das war ja die Frage aller Fragen, welche wir klären wollten und wir hatten es bei den spannenden Ausführungen glatt vergessen.
20141129_140221„Schau mal ein güldenes Fernrohr!“ riss Hase mich aus meinen Gedanken und schwupp sprang er hinauf, wie er es immer zu pflegen tat. Marlies setze mich vorn auf das glänzende Rohr. Unsere Freunde lachten laut als sie uns da so sahen und wir wussten gar nicht warum, aber es machte uns allen sichtlich Spaß. Ein Gedankenblitz traf mich:20141129_135949 ‚Fernrohr – in die Ferne schauen - das kennen wir doch schon.‘ Und so war es Hase, der dann doch hindurchschaute und mir alles ganz genau beschrieb. Er sah alles ganz nah - den Dom, die Salzach, die Brücken, Berge und den Laden des Hutmachers. „WAS??? Du siehst einen Hutmacher? Was willst Du mir damit sagen?“, fragte ich nach.


20141128_134859   DSC_2057   20141128_134910

Was ich nicht gesehen hatte, unserem Advokaten war bei seinem Sprung die warme Weihnachtsmütze über die Mauer in die Tiefe geflogen. Und wie wir wissen, sind seine langen Ohren sehr empfindlich. Also fragte ich unsere Freunde, ob wir diesen Hutmacher besuchen könnten, um für den ‚Feldhüpfer‘ eine neue zu besorgen. Natürlich waren sie einverstanden, da Hase auch nicht krank werden sollte. Erst einmal liefen wir durch die Festung und schauten uns alles genau an. Die Großen hatten alle Zeit der Welt und waren von der Schönheit der Burg begeistert.
20141129_124017Nach eisigen und gefühlten Stunden fuhren wir endlich wieder hinunter in die Stadt. Wir wanderten weiter durch die Gassen und fanden den Hutmacher, den Hase von oben entdeckt hatte. Dort probierte er Hüte, Mützen und Tücher, doch nichts konnte ihn zufrieden stellen. Seine Ohren waren einfach zu groß. Dennoch suchte Hase weiter. Zwischenzeitlich kamen er und der Hutmacher ins Gespräch. So erfuhr der Hutmacher, was wir in Salzburg eigentlich suchten. Inzwischen stellten wir anderen uns an den benachbarten Glühweinstand und beobachteten das Treiben auf dem Marktplatz.
Dann blieb plötzlich eine junge Dame vor mir stehen und sagte: „Du hast ja die selbe Mütze auf, wie diese, die ich gerade gefunden habe.“ Ich umarmte sie ganz heftig und sie wusste nicht, wie ihr geschah: „Das ist die Mütze von meinem Freund dem Hasen. Schau mal da drüben. Er versucht gerade etwas Neues zu finden und bringt den Hutmacher fast um den Verstand.“ „Was?“, antwortete die Frau spöttisch. „Das Schaffen doch sonst nur wir Frauen!“ Im Chor erklang ein „JJJOOOHHH“ aus den Kehlen von Marlies und Chrissy. Olaf schwieg. Die Blicke von uns allen ließen den Hutmacher und Hase erstarren. „Waaas deeenn??“, riefen die Beiden mit einem ahnungslosen Unterton im Gesang. Das sicher lauteste Gelächter in der Stadtgeschichte Salzburgs nahm seinen Lauf.
Nachdem wir uns alle wieder beruhigt hatten, kamen sie zu uns an den Stand. Hase war überglücklich, dass er seine Mütze wieder bekommen hatte und tanzte erst einmal vor Freude eine Runde mit dem Fräulein.
20141129_134622Die Großen bestellten beim Schankwirt Glühwein, ich einen Punsch, nur Hase wollte wie immer seinen geliebten Trunk und sagte: „Bitte Möhrensaft!“ Den hatte der Wirt natürlich nicht „Geht auch Punsch?“, fragte er und Hase nickte. Vom warmen Punsch beflügelt, erzählte Hase von unseren Abenteuern und unserem Auftrag hier in Salzburg. Die Einheimischen hatten solche Fragen anscheinend noch nicht oft gehört und unterhielten sich in einer uns unverständlichen Sprache. Es war durchaus unsere Sprache, doch in der Mundart des Salzburger Landes. Wir verstanden nix, wirklich gar nix!
Nach einiger Zeit erklärten die Beiden uns etwas Fantastisches und wir wussten nicht ob wir es glauben konnten.
*Salzburg – Der Name der Stadt entstammt einem Aufstand. Nachdem die Römer abgezogen waren herrschte noch sehr lange die lateinische Sprache in den hohen Kreisen. Die Bevölkerung wollte jedoch zurück zu ihren Wurzeln, wollte ihre Sprache sprechen. So wurde zum nach wie vor blühenden Salzhandel und der vorhandenen noch eher kleinen Burg, der Fluss zur Salzach und der Ort zur Salzburg. Die Menschen und ihre Namensfindungen. Für uns Schlingel ist es zuweilen echt schwer, das zu verstehen.

Die Zeit verging. Es war schon lange dunkel und nur noch wenige Menschen waren auf dem Markt unterwegs. Wie wir feststellten, vertrug Hase keinen Punsch oder der Tag war auch für ihn zu anstrengend, denn er wurde immer schläfriger! So mussten wir ins Hotel und recht zügig ins Bettchen. Nach diesem Tag schliefen wir wie Könige.

 
Data-Weih2014_10... Tage später, zurück in unserer Hansestadt Buxtehude… Wir schrieben den 24.12. des Jahres und streiften durch die Gassen unserer Heimatstadt. Im Flur einer Behausung lief ein Mann im roten Mantel. „Olaf?“ Rief ich. „JooooHooooHoooo!“ kam als Antwort und schon war er wieder verschwunden. War es ER – DER Weihnachtsmann? War es unser Olaf? Wir sollten es bis heute nicht erfahren…

 

 

 Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Gastgebern, welche dieses Abenteuer ermöglichten.

20141128_135059